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Früchte des Vulkans

In der Südoststeiermark kultiviert die Familie CHRISTANDL eine enorme Vielfalt an Obst. Eingekocht machen Holunder, Aroniabeere & Co das ganze Jahr über Freude.

Auf einem erloschenen Vulkankegel mit Blick über die Stadt Feldbach liegt er, der gar nicht so kleine Garten Eden der Familie Christandl. Auf 13 Hektar gedeiht dort im vorteilhaften südoststeirischen Klima Obst von unglaublicher Vielfalt und Qualität. Neben Äpfeln, Birnen, Pfirsichen und Holunder auch seltenere Früchte wie Quitten, Goji- und Aroniabeeren. Zu Letzteren hat die Familie Christandl eine besondere Beziehung. Sie waren es, die dieses rotblaue Rosengewächs als einer der Ersten in Österreich kultivierten.


Seit gut 40 Jahren wird auf dem Hof der Christandls Obstbau betrieben. „Jede Generation hat etwas Neues ausprobiert“, erzählt Johannes Christandl, für den das selbst auch zutrifft. Eigentlich ist er gelernter Zimmermann, doch vor zwanzig Jahren hat er in die Familie eingeheiratet. Seither kann seine Frau Renate, die eigentliche Obstbaumeisterin, jede helfende Hand in dem Familienbetrieb brauchen. Früher einmal wurde auch Wein kultiviert und die Familie betrieb einen Buschenschank. Wo der Wein wächst, fühlen sich bekanntlich viele Obstsorten wohl – und offensichtlich auch die Bienen. Die Stöcke der fleißigen Tiere, die einen außergewöhnlichen Wald- und Blütenhonig produzieren, stehen mitten auf dem erloschenen Vulkan.

Vielseitiger Holler

Einen besonderen Ruf genießt in der gesamten Region der Holunder. Die Familie Christandl verfügt im Anbau und Wissen um die Pflanze aber über eine besondere Expertise: Johannes Christandl ist Co-Autor eines wissenschaftlichen Buches über das Moschuskrautgewächs. „Die antioxidative Wirkung von Holunder ist bekannt“, erklärt Christandl. Der Pflanze wird die Fähigkeit nachgesagt, das Immunsystem stärken zu können und vorteilhaft bei Infektionen der oberen Atemwege zu wirken. „Es wurden auch mal Proben nach China geschickt, wo der Holunder als Heilpflanze weit verbreitet ist. Dort hat man uns die äußerst hohe Qualität des steirischen Holunders bestätigt, der zurecht weltweit vermarktet wird“, ergänzt Christandl.
Die Holunder-Ernte ist relativ aufwändig und kann nur händisch erfolgen. Ab Ende Mai, Anfang Juni blüht der Holunder und ab Mitte August sind die Beeren reif. Die Holunderblüten lassen sich wunderbar zu Sirup verarbeiten. „Das richtige Timing ist dabei ganz entscheidend“, sagt Christandl. Die Ernte müsse nach zwei Tagen ohne Regen erfolgen und man dürfe nicht vor Mittag damit beginnen, um zu viel Feuchtigkeit durch den Tau auszuschließen. Außerdem sollen keine unaufgeblühten oder verblühten Pflanzen dabei sein, das verfälscht den Geschmack. Der besondere Charakter des vulkanischen Bodens, auf dem der Holunder gedeiht, macht sich erst bei den Beeren bemerkbar. Sie enthalten in dieser Gegend besonders viel Magnesium und die Erde hat auch Auswirkungen auf die Farbstoffe. Die Weiterverarbeitung der Beeren zu Saft muss für besten Geschmack immer am Tag der Ernte erfolgen.
Johannes Christandl bei der Verkostung seiner köstlichen Produkte.
Die Aroniabeere, deren Fruchtfleisch an einen kleinen pinkfarbenen Apfel erinnert, ist dagegen recht leicht zu pflegen und zu ernten. Sie lässt sich perfekt in Bio-Qualität anbauen, weil sie an und für sich sehr robust ist. Die Robustheit sorgt auch dafür, dass sie maschinell weiterverarbeitet werden kann. Die Bitterstoffe, die sie enthält, sollen sich positiv auf den Magen- Darm-Trakt auswirken. Die Erntezeit beginnt meist erst Ende August, danach wird die Beere zu Saft, Marmelade und Fruchtjoghurt verarbeitet oder getrocknet Müsli beigemengt. Auch bei der Aroniabeere ist der richtige Erntezeitpunkt aber entscheidend, damit sie ihr leicht herbes Aroma behält. Zudem sollten keine Holz- oder Blattanteile mitverarbeitet werden.

Holler-Wunderwelt

In welch herrlicher Umgebung die Christandls zugange sind, können Besucher leicht nachvollziehen. Es gibt Johannes Christandl bei der Verkostung seiner köstlichen Produkte. auf dem Gelände einen Schaugarten, die sogenannte Holunder-Wunderwelt, in der man von den verboten guten Früchten ein wenig naschen darf. Zuletzt waren dort auch die elfjährige Tochter und der dreizehnjährige Sohn der Christandls häufig präsent. Zu Zeiten von Home-Schooling halfen sie besonders gerne im Garten aus. Mal schauen, ob daraus eine Passion wird und die beiden den typischen Weg der Familie weitergehen: Jede Generation hat bisher neue Ideen auf den Hof gebracht.